Im ersten Moment sieht es so gar nicht danach aus Und doch gab es auf den steinigen Wegen, die ich in meinem Leben gehen musste, immer lich vielen Zielen und Wünschen Es leuchtete nur dieser eine große Leitstern über mir inmitten einer angenehmen Leere, die mich seltsam frei machte auch viel Schönes zu entdecken Besondere Menschen, Hilfe von unerwarteter Seite, treue Freundschaften und glückliche Fügungen Ähnlich wie farbenprächtige Blumen, die sich un- aufhaltsam durch grauen Beton zwängen Aber ist das nicht ein allzu geringer Lohn für den hohen Preis, den ich zu zahlen hatte? Reicht das aus, um etwas Gutes an meinem Schicksal zu sehen? In dem Jahr, in dem mein jüngstes Kind gegen eine lebensbedrohliche Krankheit kämpfen musste, wusste ich zuerst nicht, wo oben und unten war Ob ich nach links oder nach rechts schauen sollte. Ob ich jemals wieder einen Schritt nach vorn machen würde Alles stand still, mein Berufsleben, unser eingespielter Alltag, unser Sozialleben und alle Zukunftspläne Unsere treueste Gefährtin auf dieser Reise war die Ungewissheit und sie lachte mir, die ich stets gern alles unter Kontrolle behalte, mitten ins Gesicht Aber brutal hinauskatapultiert aus meinem alten Leben, stellte ich plötzlich fest, dass auch all die tausend kleinen Sorgen, die mich sonst im All- tag quälten, nicht mehr existent waren Sie waren einfach verpufft, hatten ihre Daseinsberechtigung verloren Ich verstrickte mich nicht mehr in unend- Und in diese Leere, in diesen absurden, schwere- losen Raum mischte sich bald noch etwas Anderes Eine neue, atemberaubende Gewissheit, so deut- lich wie nie zuvor Nämlich die Klarheit darüber, wer ich sein und wie ich mein Leben führen möchte Was gehen muss und was bleiben darf Was wirk- lich zählt im Leben Ich schreibe hier nicht, was das für mich war Denn für dich sind das bestimmt ganz andere Dinge Einen Schicksalsschlag zu erleben, wünsche ich niemandem Denn er kommt stets unangekündigt und trifft dich tief und schmerzlich. Aber WENN es nun mal passiert, dann wünsche ich jedem, dass er ihn als Weg betrachten kann Als einen bisher unbegangenen Pfad Vielleicht als eine Wande- rung mit den unterschiedlichsten Begleiter:innen – Ungewissheit, Trauer, Wut – von denen, ich verspreche es, auch die nervigsten irgendwann wieder verschwinden, aber auch Demut, Hoffnung und Liebe Es mag ein beschwerlicher Weg sein, ein steiler, aber einer, der dich so nah wie nie zu dir selbst zurückbringt Und gemeinsam mit den wunder- schönen Blümchen am Wegesrand ist es das Abenteuer durchaus einmal wert Viel Glück auf all deinen Wegen! www.kinderhilfe.at 29